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![]() Cabral Lobato ![]() ![]() Neruda-Session ![]() Werkstatt im Café ![]() ![]() Blick aus der Luft auf die Weststadt ![]() ![]() |
Zur Jahreswende 2003/2004 durfte das HdK sich glücklich schätzen, ein Capoeira-Camp zu beherbergen, zu dem TeilnehmerInnen aus mehreren europäischen Ländern anreisten. Capoeira ist ein afrobrasilianischer Ausdruckstanz. Einer der Mitorganisatoren dieses Camps (die Camp-Organisation oblag Ralf Siebert) war der aus Brasilien kommende Percussionist Cabral Lobato. Eine Kapazität in Sachen Capoeira und Jazz. Befreundet unter anderem mit dem in Göttingen und in New York lebenden weltbekannten Jazz-Musiker und Produzenten Gunter Hampel.
Cabral, der im HdK mehrere Jahre lang einen Proberaum hatte und sich beim „Brückenschlag-Festival“ 2003 mit ganzem Herzen einbrachte, beabsichtigte eine Serie von Jazz-Sessions (Motto: „Jazz meets Punk“ oder „Jazz meets Ethno-Pop“ und dergl.) 2004 zu organisieren, um dem HdK einmal im Monat zu einem kontinuierlichen Musik-Programm zu verhelfen. Leider mußte die schöne Idee dann doch erst einmal wieder auf die „lange Bank“ geschoben werden, da Cabral gleich im Januar, worüber wir uns für ihn sehr freuen, einen Job an der bekannten Frankfurter Artistenschule gefunden hat. Einen wirklichen Schlag für den Arbeitgeber Zukunfts-Werkstatt (ZW) und das HdK brachte im April die von Rotgrün in die Wege geleitete Reform des Arbeitsmarktes. Von heute auf morgen stand die ZW quasi ohne Hauptamtliche dar, ohne Verwaltungskraft und ohne Hausmeister. Alte ABM- und BSHG§19-Stellen, die bis dahin in der Regel über einen Zeitraum von zwölf Monaten gingen, wurden nun nach sechs Monaten nicht mehr verlängert. Die ZW wandte sich an die zuständigen Stellen, um eine Verlängerung der Stellen zu bewirken, doch ohne Erfolg. Fortan mußten die Vereinsmitglieder ran und sich ehrenamtlich um die Büroarbeit und nötige Bauunterhaltungs- und Ausbaumaßnahmen kümmern; unterstützt von zwei, drei Praktikanten. − Dieser Zustand änderte sich erst im Juni, als die Stadt Göttingen nun doch noch einmal die Mittel für drei Stellen für ein halbes Jahr zur Verfügung stellte. Mit Ablauf des Jahres war dann aber Schluß. Was folgt, ist offen. Es ist in hohem Maß davon auszugehen, daß aus den drei vollen Stellen, in Spitzenjahren waren es sogar schon mal vier Stellen, Hartz-IV-Jobs werden, mit 6-Monats-Befristung und Mini-Entlohnung. Was das für Folgen in Hinsicht auf die Kontinuität und Qualität der Sozial-/Integrations-/Stadtteil- und Kultur-Arbeit haben wird, darauf wird sich wohl jeder einen Reim machen können. Desshalb bedarf es an dieser Stelle keines weiteren Kommentars seitens des Verfassers. Was die Kulturaktivitäten der ZW anbelangt, konnten im Frühjahr und im Sommer wenigstens zwei Veranstaltungen durchgeführt werden. Die „Leichtigkeit des Seins“ konnten all jene kennenlernen, die im Mai das Glück hatten, am „Pablo-Neruda-Abend“ teilzunehmen. Glücklicherweise war nach dem schmerzlichen Weggang Cabrals der gebürtige Chilene Mauricio Soto zur ZW gestoßen. Ein Musiker mit internationaler Erfahrung, der bereits Dutzende von Auftritten absolviert hat. Neben der Verwaltungsarbeit, in die er sich mit einigem Geschick eingearbeitet hat, oblag ihm die Federführung bei der Planung und Durchführung der Veranstaltung anläßlich des 100. Geburtstages des mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Dichters Pablo Neruda. Pech hatte die ZW hingegen bei der Durchführung ihres zweiten Open-Air-Festivals am HdK im Juni, dem „Brückenschlag-Festival“. Das Festival litt unter den Kapriolen des Wetters und der am Festtage ausgetragenen Fußballweltmeisterschaft. Etwas mehr Glück mit dem Wetter hatte dann erfreulicherweise das von den „Internationalen Gärten“ gemeinsam mit dem „Internationalen Jugend-Gemeinschaftsdienst“ (ijgd) organisierte internationale Workcamp, das für drei Wochen (24.07.15.08.) im HdK Quartier genommen hatte. Die ZW hofft auf eine Wiederholung in 2005. Durch die Bewilligung einer großzügigen Zuwendung aus Landesmitteln in Höhe von 13.500 € durch die „Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur Niedersachsen“ (LAGS) sah die ZW sich in die Lage versetzt, einen großen Schritt in Richtung Steigerung der Attraktivität des Cafés machen zu können. Ein paar Veranstaltungen konnten im Café bereits durchgeführt werden. Zum überwiegenden Teil waren es allerdings Fremdveranstaltungen, wie zum Beispiel die Feier des albanischen Unabhängigkeitstages, die mit etwa 200 Personen gut besucht war, oder eine Party der Stadtradio-Sendung „Radio e-volution“. Dem ZW-Kollegen Jamshid ist die Organisation einer Veranstaltung zum „Yalda-Fest“ zu verdanken. Weitere Veranstaltungen sind bereits in Planung. Darunter auch Lesungen und Vorträge. Zu einem glücklichen Ende kamen im November die Verhandlungen der ZW mit ihrem Vermieter, dem Bundesvermögensamt (BVA). Über ein Jahr lang drohte dem Projekt „Haus der Kulturen“ das Aus. Grund war nicht etwa, daß der Vermieter etwas gegen das Projekt hatte, das 1995 ins Leben gerufen worden und seit 1996 im Hagenweg ansässig ist. Nein, es ging „nur“ um’s „liebe“ Geld. − Eine Mieterhöhung von sage und schreibe rund 120 Prozent hatte uns die Bundesbehörde per Briefträger zustellen lassen. Für das von jeglicher Miet-Zuwendung durch Stadt und Landkreis Göttingen unabhängige und sich durch Untervermietung selbst finanzierende HdK bedeutete die Bundes-Forderung eine regelrechte Existenzbedrohung. Erschwerend kam hinzu, daß die „Ländliche Erwachsenenbildung“ (LEB), die die komplette dritte Etage von der ZW gemietet hatte, aufgrund des Nichtzustandekommens eines Projektes mit dem Arbeitsamt, bereits zum September 2003 die Räume aufgeben und ausziehen mußte. Die Mieterhöhung kam also zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Außerdem hatte der Vermieter keinerlei (!) Leistung erbracht, die die exorbitante Erhöhung hätte rechtfertigen können. Im Gegenteil, der Mieter, die ZW, hat im Laufe der Jahre in Eigenleistung das Speichergebäude Schritt für Schritt soweit hergerichtet, daß dort Seminare und Veranstaltungen stattfinden können und Vereine ein Büro und Musikgruppen einen Proberaum haben. Das BVA wollte und will nämlich von sämtlichen Unterhaltskosten freigehalten werden. Die ZW hingegen hat in den zehn Jahren seit der Eröffnung an die 300.000 € in den Ausbau und den Unterhalt des Gebäudes gesteckt. Da die direkten Verhandlungen mit dem BVA in der Sackgasse steckten, wandte sich der Trägerverein in seiner Not an die Politik. Genauer gesagt an den seinerzeitigen Bundespräsidenten Johannes Rau und an die Bundestagsabgeordneten aus dem Wahlkreis Göttingen. Darunter Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen), der Abgeordnete Hartwig Fischer (CDU) und die Abgeordnete Inge Wettig-Danielmeier (SPD). Mit Ausnahme der letztgenannten − ein Versehen? − nahmen das Präsidialamt und die Abgeordneten Trittin und Fischer Kontakt mit der ZW auf und setzten sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten für das Fortbestehen der Einrichtung ein. Die Folge war eine nochmalige und intensive Prüfung des Vorgangs durch die dem BVA übergeordneten Abteilungen. Angefangen bei der Oberfinanzdirektion bis hin zum Bundesfinanzministerium. Ein gutes Dutzend Beamte und Angestellte dürfte die Angelegenheit beschäftigt haben. Ungezählte Briefe, Faxe und Stellungnahmen gingen hin und her. Nach zwei Treffen zwischen ZW und Behördenvertretern im HdK, zuletzt im November, ist die Sache nun im beiderseitigen Interesse geklärt. Das BVA ist auf das Kompromißangebot der ZW, eine moderate − und vor allem bezahlbare − Anhebung des Mietzinses, eingegangen. Positiv zu verbuchen ist an dieser Stelle auch noch der Einzug von ein paar Kulturschaffenden. So haben der Göttinger Künstler Max Bongo und der Kunstgewerbetreibende Rolf Schweikert sich ihre Ateliers in der ehemaligen LEB-Etage, in der immer noch Räume leerstehen, eingerichtet. Last but not least bereichert seit Mai eine Gruppe von Tango-EnthusiastInnen zu unserer Freude die HdK-Palette. Mit großem Bedauern haben wir dann im Dezember von der Nichtaufnahme der Weststadt in das Stadtteilsanierungsprogramm „Soziale Stadt“ durch das Niedersächsische Sozialministerium in der Zeitung gelesen. Noch im Oktober hatte es danach ausgesehen, daß der seit Jahrzehnten vernachlässigte Stadtteil endlich in den Genuß von Sanierungsmitteln kommen könnte. Mit einem Schreiben an die Göttinger Landtagsabgeordneten Gabriela Andretta (SPD), Harald Noack (CDU) und Stefan Wenzel (Bündnis 90/Die Grünen) versuchte die ZW im September die Volksvertreter dafür zu gewinnen, sich für das benachteiligte Quartier einzusetzen, von dem die Sozialdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck sagt: „Wir können nicht warten, bis es noch schlimmer wird.“ (GT vom 13.12.3004) Dieser Einschätzung ist beizupflichten. Am Ende des „Rückblicks“, der selbstverständlich ein subjektiver und somit nicht vollständig ist − was man/frau dem Verfasser hoffentlich nachsehen wird −, noch ein kurzer Blick auf das kommende Jahr: Im Aufbau befindlich ist das Angebot eines Internet-Cafés. Es wird hoffentlich ab Februar 2005 einsatzbereit sein und soll dann jedermann/frau während der Café-Öffnungszeiten zugänglich sein. Um die Pflege von Hard- und Software und die Betreuung des Netzwerkes kümmert sich ehrenamtlich der im Herbst zum HdK-Team gestoßene Georg Soete, der auf diesem Feld über einen umfangreichen Wissensschatz verfügt. Bei dieser Gelegenheit sei auch noch einmal an unseren Aufruf zur Materialspende erinnert: Gesucht werden 17-Zoll-Monitore sowie Arbeitsspeicher, Festplatten ab 1 GB und andere Ersatzteile. Wer ausrangierte Computer oder PC-Bauteile loswerden möchte, kann im ZW-Büro Bescheid sagen (0551 / 6 37 54) oder auch mailen Apropos Café! Das wird in naher Zukunft mit einem kleinen Empfang der Öffentlichkeit präsentiert. Danach versuchen wir − die ZW und alle, auch Gruppen und Einzelpersonen, die Lust haben und sich beteiligen wollen − das Café regelmäßig an ein paar Tagen in der Woche zu betreiben. Mit „kleinem“ Programm. Gedacht wird an Spielnachmittage und Ausstellungen. Die gegen Ende des Jahres zur ZW gestoßene Ulrike Zimmer hat hierzu bereits gute Ideen beigesteuert. So ist an eine Info-Ausstellung über „fairen Handel“ gedacht. Jenem Handel, der für faire Preise für ökologischen Landbau und für die Einhaltung grundlegender Menschenrechte in den Ländern des Südens eintritt. Vorschläge für die Speisekarte hat es bereits gegeben. Die Karte wird am Anfang natürlich erst einmal bescheiden ausfallen und soll sich zukünftig an den Wünschen der BesucherInnen orientieren. Neben Kuchen und belegten Brötchen sollen auch Suppen, Pizza oder auch Eintopf kredenzt werden. Bleibt nur noch, allen, die sich auf vielfältige und verschiedene Weise für das HdK und die ZW haupt- und ehrenamtlich verdient gemacht haben (stellvertretend genannt seien Alfred, Almir, Bastiano, Eckhard, Elke, Enver, Haluk, Holger, Ibu, Imke, Jutta, Kati, Khosrow, Mehmet, Nurlan, Sadi, Songül) zu danken und ihnen alles Gute für 2005 zu wünschen. |
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Martin, 03.01.2005
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